Xenia Hausner. True Lies

Die Wiener Museen sind wieder geöffnet! Also haben wir diese schon wieder lang ersehnte Möglichkeit genutzt und die Ausstellung „Xenia Hausner. True Lies“ der Albertina besucht (die uns – Spoilerwarnung! – ausgesprochen gut gefallen hat).

Wir fahren die Rolltreppen hinunter in die untere Etage der Albertina. Schon von weitem sehen wir eine riesige Leinwand. Eine Frau, dem Betrachter abgewandt, sitzt auf einem Sessel und blickt auf einen im Bett liegenden Mann. Er scheint leblos. Der Hund, ebenfalls auf dem Bett sitzend, legt seine Pfoten schützend über dessen Beine. Wir lesen den Titel des Werks: „Liebestod“ (1996). Das Bild ist eines der Frühwerke Hausners und behandelt den Tod ihres Vaters. Obwohl der Inhalt der Szene bedrückend ist, spricht die bunte Farbpalette für eine beinahe fröhliche Stimmung. Ein widersprüchliches und doch harmonisches Ganzes.

Die 1951 geborene österreichische Künstlerin Xenia Hausner gibt einen ganz besonderen Blick auf die Welt frei. Ihre großformatigen Malereien hinterlassen einen ästhetisch durch die bunte Farbpalette ansprechenden, wenn auch teils eben dadurch überladen wirkenden Eindruck. Die Themenwahl scheint auf den ersten Blick gar nicht zu dieser farbenprächtigen Welt zu passen, die hier kreiert wird. Unzensiert und mit unbeschönigtem Blick zeigt die Künstlerin das Leben, so wie es ist. Und doch – wie der Titel der Ausstellung schon verrät – in inszenierter Art und Weise. Eben in der einzigen Art und Weise, wie die Kunst die Wirklichkeit abzubilden vermag.

Die überlebensgroßen Protagonistinnen* sind durchgehend Frauen*, die als Stellvertreterinnen* für alle Genderzugehörigkeiten in immer unterschiedlichen Konstellationen zueinander in Beziehung gesetzt werden – in welche Art der Beziehung bleibt offen. Durch ihren Blick aus den Gemälden heraus werden auch die Betrachter*innen Teil dieser Beziehungen, die jedoch ihren rätselhaften Charakter dadurch nicht verlieren. Szenen des Wohnens, der Flucht, der Liebe, des Todes – kurz: des Lebens – werden in eindrucksvoller Inszenierung präsentiert.

Als Vorlage dienen der Künstlerin aufwendig gestaltete Settings, in die die Protagonist*innen gesetzt werden und welche als Fotografien die Grundlage ihrer Malereien darstellen. Die Wirkung, die dadurch entsteht, ist die eines Standbildes eines Theaterstücks. Die Arbeit der Künstlerin als Bühnenbildnerin fließt hier deutlich in die Werke ein. Auch collagenhafte Elemente finden sich in ihren Werken, die sich kontrastreich und doch stimmig in die Malereien und überarbeiteten Fotos einfügen.

Denen, die noch keinen Begriff zu Xenia Hausner haben, legen wir die Ausstellung besonders ans Herz. Und natürlich auch denjenigen, die sich erneut einen Eindruck ihrer faszinierenden Arbeiten in dieser äußerst angenehm gestalteten Ausstellung machen wollen. Ein Tipp für alle die jetzt schon neugierig sind: Im YouTube Video der virtuellen Eröffnung der Ausstellung gibt es noch einen tieferen Einblick in das Oeuvre Xenia Hausners.

Die Ausstellung „Xenia Hausner. True Lies“ ist noch bis 8. August 2021 in der Albertina zu sehen.

Zur Ausstellung: https://www.albertina.at/ausstellungen/xenia-hausner-true-lies/

Video der virtuellen Eröffnung: https://www.youtube.com/watch?v=FV-SL7fs7zU

Foto: Xenia Hausner | Crime Map, 2010 | Privatsammlung, Schweiz © Studio Xenia Hausner | Bildrecht, Wien, 2021, Foto Stefan Liewehr