The Roofs Musik Österreich Achterbahn Magazin

The Roofs

Zwischen Häuserdächern, Indie-Rock, Oscar, Thomas und den Mäxen 1, 2 & 3

Die fünf Jungs stehen in einem unförmigen Kreis zueinander. Der kleine sechseckige Raum mit den  weißen, verkleideten Wänden erzittert, die musikalischen Funken sprühen zwischen vibrierenden Saiten, rüttelnden Drums und lauter Stimme. Ich darf in diesem Raum, von dem sie schon im Vorhinein geschwärmt hatten, schreiben, sitze am Boden, spüre den Bass und kann nicht anders, als die Ohrenschützer abzunehmen – zu berauschend ist die Situation. Die Musik verfängt sich in dem verwobenen Leinen der Schalldämmungen und die Energie im Raum ist greifbar.

So unterschiedlich die Jungs der Band The Roofs auch sind, sie verbindet ihre Musik.

Ich durfte für einen Abend einen Einblick in das Bandleben erhalten und habe im Interview Facetten kennengelernt, die auf den ersten Blick nicht erahnbar gewesen wären.

Die Band The Roofs gibt es seit 2017. Die Jungs kennen sich teilweise aus der Schule und haben sich, wie das halt in Wien so ist, gefunden. Waren Anfangs noch Sätze wie „ich hab´s lieber, wenn ich meine Lieder für mich alleine spiele“ in dem einen oder anderen Kopf, kam schnell die Lust auf, gemeinsam Songs zu covern. Sie berichten von diesem „geilen“ Gefühl, als sie das erste Mal zusammen gespielt und gemerkt haben: „Wow, thats gonna work!“. Auf meine Frage „Kommt ihr noch ohne einander klar?“ bekomme ich ein Lachen als Antwort mit den Worten „Wir können nicht mehr miteinander!“

Ihre ersten Konzerte spielten sie in der Ottakringerbrauerei, auf Hochzeiten und Geburtstagsfeiern – dort kam es zur einen oder anderen amüsanten Situation. Die älteren Zuhörer*innen meinten zum Beispiel, dass die Musik der Jungs zu laut wäre, wohingegen ein begeisterter Fan antwortete: „Heast, Oida, das ist eine Rockband!“ – Mein Senf dazu: Aber so was von! Zu laut gibt es bei den Jungs von The Roofs einfach nicht!

Wenn sich die Jungs eine Location aussuchen dürften, würden sie sich erst einmal das Chelsea in Wien wünschen – die U-Bahnbögen sind ihr nächstes Ziel, sobald Corona Konzerte wieder zulässt. Wir wissen also, wo wir in Zukunft nach ihnen suchen können:)

The Roofs. Ganz klassisch und romantisch, wie andere Träumende, sitzen sie gerne auf Dächern und schauen in die Ferne. Sie haben mehrere Theorien, wie es zu ihrem Bandnamen kam. Erst hießen sie The Roofies, was aber eine Vergewaltigungsdroge ist und das war dann doch sehr unpassend. Wir sprechen über ihre Lieblingsdächer und ich bekomme Horrorgeschichten von Dachbesteigungen zu hören!

Mein Bleistift wippt auf das Notizbuch, wie die Schläger auf die Drums. Die Interaktion zwischen den Jungs verläuft viel über Blickkontakt. Einer beginnt zu spielen, immer mehr steigen ein. Dann wird an der Lautstärke und Schnelligkeit herumgebastelt. Da sie alle jedes Instrument der Band beherrschen, können sie einander helfen. Trotzdem gibt es in der Band, zumindest bis jetzt, fixe Rollen: Max1 spielt Schlagzeug, Max2 und Oscar spielenE-Gitarre, Max3 ist der Sänger der Band und Thomas ist Bassist. In Zukunft haben sie aber durchaus vor, neue Instrumente einzubauen. Das kommt immer auf die Einflüsse von anderer Musik an, die im Moment durch ihre Köpfe jagen, erklärt mir Max1. Sie experimentieren zum Beispiel jetzt gerade mit einer Mundharmonika.

hinten von links nach rechts: Thomas, Max 1; vorne von links nach rechts: Max2, Max3, Oscar

Zu ihrer Musik:

Teile der Songs der Band The Roofs entstehen einzeln bei jedem zuhause, dann bringen sie diese in die Probe mit und arbeiten zusammen daran weiter. Die Einflüsse sind ganz verschieden und die fertigen Outcomes tragen die Essenzen der ganzen Band in sich. Hört der eine am liebsten Punkt, hören die nächsten beiden lieber Pop-Rock-Indie-Rock und der Dritte hat Ahnung von klassischer Musik, während Drum and Bass den Vierten in der Runde begeistert. Der Grundeinfluss ist aber schon aus dem 60er und 70er Rock ´n´ Roll. „Wie´s wirklich entsteht, [die Songs] das weiß man vielleicht selbst auch nicht. […] Man muss bewusst aktiv sein und sich auch menschlich verstehen. […] Jeder muss Anschluss haben. Wenn einer schlechter drauf ist und das nicht so fühlt, dann funktioniert das nicht so gut, wie wenn jeder mit von der Partie ist. Und das ist schon etwas, das man aufrecht erhalten muss“, sagt Max3.

Auf meine Frage, wie der Entwicklungsprozess der Lieder vor sich geht, antworten sie: Erst entsteht die Melodie und nach einer Zeit ergeben sich passende Texte. Interessant ist auch, dass nicht jeder Song der von jemandem kommt, dann von jemand anderem gesungen werden kann. Dann passt das mit dem Text und dem Gefühl nicht, erzählen sie mir. Ich wurde aber aufgeklärt, dass mein romantisches Bild des verrückten Musikers, der im Proberaum steht und in sein Notizbuch Texte schreibt, während um ihn die Band spielt, leider nicht ganz stimmt, da die einzelnen Versionen mit dem Handy aufgenommen und im Nachhinein angehört und bearbeitet werden. Aber um mir ein wenig Romantik zu gönnen erzählen sie mir, dass Max3oft mit hunderten Zetteln und handgeschriebenen Songtexten in den Bandraum rauscht. Er berichtet mir später, dass er das braucht: Das Texte mit der Hand schreiben, das Knistern des Papiers, das einzelne Passagen wild durchstreichen können.

Natürlich musste ich die Jungs fragen, ob sie auch, wie c.Freude es in seinem Interview mit Avec beschreibt, „Kreative Löcher“ haben. Ja, die kennen sie. Aber: Dadurch, dass sie fünf Leute sind, können sie sich darauf verlassen, dass immer jemand einen kreativen Einfall hat und sie müssen nicht auf Biegen und Brechen versuchen, einen neuen Song zu schreiben. Sie können sich immer untereinander austauschen – jede Idee wird mit dem Handy aufgenommen und weitergeschickt. Das Miteinader pusht zusätzlich. Die kreativen Schübe kommen sowieso, meinen sie. Oft gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet, oder wenn man eigentlich gar keine Lust darauf hat – aber dann MUSS man es einfach festhalten. Max2:„Es ist so ungut, weil, gerade wenn ich Stress hab. Dann mach ich´s. Dann liege ich so im Bett. Und auf einmal hab ich die scheiß Melodie im Kopf und du denkst dir: Alter, das ist ein fucking Hit und dann ist es 12 und du denkst so: Ich lieg´ perfekt im Bett um morgen aufzustehen und dann hast du die scheiß Melodie im Kopf und dann sitzt du bis um drei Uhr in der Früh da und hast den Song dann auch fertig ausgearbeitet.“

Für Thomas hat das Songschreiben vor allem etwas damit zu tun, Gefühle zu verarbeiten: negative Gefühle zu positiven Gefühlen umzuwandeln. Oscar stellt anschließend eine interessante Frage in den Raum:„Kennt ihr das, wenn ihr euch den Song dann am nächsten Tag anhört und er ist einfach absolute scheiße?“ Die anderen nicken. Zweifel, ob ein Riff gut genug ist, ob man so ein Ähnliches den anderen schon einmal gezeigt hat oder auch, ob es überhaupt dem Publikum gefallen könnte, beschäftigen die Jungs immer wieder.

Max3 erzählt mir aber auch von seinen positiven Momenten:„Teilweise, […] am Klavier, merke ich hin und wieder, wenn es so richtig hittet, kommt mir wirklich sogar so eine kleine Träne und dann merke ich halt: Oh ja, shit, ja, das ist gut, shit, ich habe mir gerade selbst das Herz gebrochen“.

Trennungen und Herzschmerz führen auch bei diesen coole Jungs zu kitschigen Schnulzenliedern, die sie die ganze Nacht betrunken am Klavier spielen und wachhalten, wobei betont wird, dass so normalerweise nicht ihre Lieder entstehen (Erinnerung: coole Jungs;) ).

Coming home ist das neueste Lied von The Roofs und es interessierte mich, was Zuhause für die Jungs bedeutet: „Wien. Für mich ist Wien Zuhause. Also alles was südlich von der Donau ist [lacht]“, meint Max2. Die anderen können das bejahen, wobei sie dann doch spezifische Bezirke nennen, in welchen sie aufgewachsen sind. Darüber hinaus wird aber auch das Beispiel genannt, dass, wenn die*der Angesprochene „You“ aus ihrem Lied Coming home sie besuchen würde, und wo auch immer das wäre, dass das auch ein „coming home“ für sie wäre – Menschen machen ein Zuhause aus. Max2 beschreibt das Gefühl „nach Hause kommen“ so, dass es sich anfühlen würde, wie wenn die Sonne warm seine Seele streichelt und einfach alles gut ist (ja, so poetisch sind die Jungs manchmal haha).

https://open.spotify.com/album/1VIABgB5k00c1CfUq4FGif?highlight=spotify:track:6PxgE9MnYc6bvHvM2sN9Bl

Ich frage sie, wie authentisch ihr Instagram-Feed ist, was eigentlich eine unnötige Frage war, nachdem ich einige Stunden bei ihnen verbracht hatte. Sie sind als Ganzes und jeder für sich absolut authentisch. Das Image der wilden, verrückten Band passt zu ihnen, das bejahen sie mir lachend. Aber vor allem habe ich erfahren, dass sie wahnsinnig gute Freunde sind, die sich schätzen und lieben und das Hobby Musik zusammen ausführen können. Ja, manchmal läuft die Probe, manchmal aber eben auch nicht. Unmotivierte Probeabende kennen sie natürlich aber dann setzen sie sich eben draußen zusammen, hören Musik, trinken ein Bier und rauchen eine Tschick.

Selbstdisziplin ist aber trotzdem wichtig, betonen sie. Wie zum Beispiel ihre „Ein-Song-pro-Woche-Politik“ zeigt: Jede Woche bringt jemand anderer einen neuen Song mit, darf bestimmen „was abgeht“ und wie sein Song ausprobiert werden soll.

Wie wird es in Zukunft weitergehen? Die Band The Roofs möchte regelmäßig einzelne Songs herausbringen. Wenn sie genügend Material haben, können sie sich ein ganzes Album gut vorstellen. Der größte Wunsch ist aber im Moment einfach wieder Livekonzerte spielen zu dürfen. „Dass du am Ende vom Tag nach einer Show wieder nach Hause gehst und dir denkst: Oida, das war gerade einfach richtig geil“, sagt Max2. Bei Auftritten sind die Jungs aber immer noch nervös. „Mittlerweile lebe ich aber für dieses Gefühl“ ruft Max3 aus. Das Adrenalin und die Vorfreude spüren, bevor sie auf die Bühne gehen. Wenn die erste Note gespielt wird und passt, dann verfliegt die Nervosität und sie kommen voll rein, ergänzt Thomas. Dieser Moment, sich mit Leib und Seele im Song zu verlieren, diesen möchten sie mit ihren Zuhörer*innen teilen.

Die Jungs machen im Moment alles, bis auf das Drehen von kleinen Videos für Spotify, selbst. Die Albem-Cover werden von Max3 gestaltet und den Instagram-Feed machen vor allem Max2und Oscar. Zu den nächsten Songs sollen auch längere Musikvideos entstehen, wobei es aber noch keine konkreteren Pläne gibt. Ich durfte am Anfang des Abends bei einem kurzen Videodreh dabei sein, welcher für ihr neues Lied Without a Dout gefilmt wurde. Spontanität und kreative Ideen werden bei den Jungs groß geschrieben. Nur so viel darf ich verraten: Max1 ist ein schneller Läufer!

Am 19. März wird ihre nächste Single Without a Doubt, „der Lieblings-Frühlings/Sommer-Hit von allen Rockfreunden dieses Planeten“ so Max2, herauskommen.

Da wird noch viel passieren… “, ruft Oscar mir zu. The Roofs werden uns noch umhauen und mit lauten Klängen und guter Laune locken! Vorbeischauen und Reinhören lohnt sich…

Zwei Anmerkungen zum Schluss:

1. Wir waren natürlich alle vor diesem Treffen getestet!

2. Ich möchte hier festhalten: Mir wurde ein kleines Medley von Sweet Child O´ Mine versprochen:).

Hier könnt ihr The Roofs finden:

Instagram, Spotify, YouTube.

Text: Lee Weichsel

Fotos: Lorenz Mader