RUHMER Achterbahn Magazin fĂĽr Kunst und kultur

RUHMER – Im Portrait

Ein White-Russian mit RUHMER 

Gegen 11:00 Uhr Vormittags starteten wir unseren Call via Zoom. Obwohl überraschenderweise alle Folgen bisher ohne Probleme aufgenommen werden konnten, war der Videocall-Dienst dieses Mal etwas zickig, weshalb wir die ersten 5 Minuten des Interviews erneut aufnehmen mussten, aber alles halb so wild 🙂 

RUHMERs Getränk ist ein White-Russian, Bloody-Mary wäre auch OK gewesen, doch der Tomatensaft war leer. 

Wer ist dieser RUHMER eigentlich? 

RUHMER wurde in einem Linzer Vorort geboren und begann seine musikalische Karriere als Schlagzeuger. Später schlug es ihn als Toningenieur auf Filmsets in aller Welt offenbar in eine andere Richtung, bis sein Leben 2019 eine ĂĽberraschende Wende nahm; als Live-Drummer spielte er groĂźe Tourneen mit diversesten Bands. 

Kill Me Now als DebĂĽt: 

„I never do it right, I’m doing it wrong“

… singt er in seiner DebĂĽt-Single „Kill Me Now“. Der langjährige Schlagzeuger fĂĽr bsp. OEHL wechselte ohne Weiteres die Fronten und startet seine „One-Man-Band“. Nach einer Trennung findet er sich nicht nur obdachlos, sondern auch ohne Sinn und Selbst wieder – in einer HĂĽtte am Strand von Calais, lediglich bestĂĽckt mit einer geliehenen Telecaster, einem billigen Bass, einem Stift und seiner Stimme, begibt er sich auf die Suche: „If I stop being me, who else would I be?“. Wenn die Antwort auf diese Frage das ekletisch-ironische, naive-coole „Kill Me Now“ ist, dann hört sich das, was ein emanzipierter und re-inkarnierter Solo-KĂĽnstler namens RUHMER nun tut, ganz und gar nicht falsch an. 

Was passiert, wenn man 12 Stunden lang all seine Gedanken auf Papier schreibt? 

Die Verzerrung und Getriebenheit im Sound verbinden sich dabei perfekt mit der Energie, die der Track auch thematisch mitbringt: in “PENLOVE” begibt sich RUHMER auf eine manische Reise zwischen die Zeilen, ins Meta-Universum seiner Songs: »Looking at the lines that I draw, evolving into words« – er beschreibt das paradoxe GefĂĽhl von Frustration und gleichzeitiger Befreiung, das er im Prozess des Schreibens, im sogenannten “Stream of Consciousness”, erfährt. Das ist auch der Name jener Schreibtechnik, die nicht nur Existenz, sondern auch Inhalt fĂĽr PENLOVE sicherstellte und die titelgebende Affektion zu besagtem Stift ĂĽberhaupt erst herbeifĂĽhrte. Drei Seiten pro Tag schreibt RUHMER auf diese Weise, den Blick auf Hand und Stift gerichtet, ohne Filter und Unterbrechung.

Dies fĂĽhrt ihn schlieĂźlich zur Frage:

“Wenn ich solch kreative Energie aus bloĂź drei handgeschriebenen Seiten pro Tag ziehen kann, was passiert dann, wenn ich 12 Stunden am StĂĽck, ohne Pause, meine Gedanken aufschreibe?”

Foto: Sarah-Maria Hemmerling

Text: basierend auf dem Interview im “Looping“-Podcast
von c. Freude