planet luv streetwear im Achterbahn Magazin für Kunst und Kultur Musik aus Österreich

Planet Luv Streetwear

Zwei Jungs. Eine Vision!

Everybody needs a vision. Its our vision to create streetwear with a good cause.“ Website Planet Luv

Planet Luv Streetwear ist ein Wiener Start-up-Unternehmen, das aus einem enttäuschenden Shoppingtrip durch die Geschäfte der Mariahilferstraße entstanden ist. Die beiden Jungunternehmer Paul und Joel erzählen mir bei unserem Interview, dass sie es leid waren, unfaire Fastfashion einzukaufen. Kennen tun sich die beiden schon seit ihrer Schulzeit und während am Anfang von spaßig gemeinten Floskeln die Rede war, dass sie das doch bestimmt viel besser, nachhaltiger, stylischer und trotzdem bezahlbar machen könnten, als die Geschäfte in denen sie einkauften, entstand die Vorstellung, diese für sie wichtigen Merkmale in die Tat umzusetzen: „Die Idee war einfach Streetwear zu machen, mit dem Goal auch gleichzeitig irgendwie umwelttechnisch fair zu bleiben und da etwas zurück zu geben.“, so Paul. Weiters soll ihre Mode für junge Erwachsene leistbar sein und gleichzeitig für mehr Bewusstsein sorgen.

10% ihrer Einnahmen gehen an die Organisation The Ocean cleanup und sobald ihre Einnahmen sich erhöhen, möchten sie diese steigern und anpassen. Das ist das langfristige Ziel!

planet luv streetwear im Achterbahn Magazin für Kunst und Kultur Musik aus Österreich

Kollektionen:

Streetwear macht für die beiden aus, etwas eigenes zu erschaffen und nicht schon bestehenden Trends nachzulaufen. Die Designs entstehen meistens im Vorhinein auf Papier, da man da schneller und besser Dinge verändern kann, der Prozess persönlicher ist und gemeinsames Scribbeln einfach mehr Spaß macht.

Die Shirts ihrer Kollektion die am 16.04. erschienen sind, bestehen aus Biobaumwolle, sind fairtraide und CO2 arm produziert worden. Die Designs dieser beschreiben Paul und Joel als minimalistisch: In der oberen Mitte des Shirts ist in japanischer Schrift „SHIKAKU“ gestickt worden, was übersetzt Vision heißt. Auf Shirts, Sweatern und Kappen von anderen Drops steht ebenfalls das Wort Vision, zum Beispiel auf Russisch, Englisch und Deutsch. Abstrakte Motive zieren ihre Statements.

Ihnen ist wichtig, dass sie etwas herausbringen, hinter dem sie zu 100% stehen. Die Jungs überlegen sich daher 2x wie sie etwas haben wollen und wenn sie nicht zufrieden sind, wird so lange herumgetüftelt, bis das Ergebnis stimmt. Auch wenn das bedeutet, dass sie in ihren Zimmern sitzen und selbst mit Nadel und Faden Motive auf Shirts sticken, obwohl im Vorhinein maschinell gestickte Motive der Plan waren. Die maschinellen Motive werden in Wien von einer Stickerei übernommen. Ihre Drucke werden von dem Produzenten Greentees ökologisch in Wien im 17. Bezirk gemacht. Auf lange Sicht möchten sie sich das nötige Equipment besorgen, wobei es ihnen im Moment noch an Räumlichkeiten und finanziellen Möglichkeiten fehlt.

Jana und Joshua

Umwelt:

Die Klimakrise und der Schutz der Weltmeere liegen Paul und Joel am Herzen. Wie schon weiter oben erwähnt, kommen 10% der Einnahmen der Organisation The Ocean Cleanup zu gute. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich eine Diskussion zu diesem Thema anbahnte: Ich frage die beiden: „Wo fehlt es unserer Gesellschaft an Bewusstsein?“

„Uhi! Überall!!“ rufen sie gemeinsam.

Paul sagt weiter: „Ich würde mir ein größeres Bewusstsein im Bezug auf die Umwelt wünschen. Ich würde mir ein größeres Bewusstsein im Bezug auf Rassismus wünschen. Ich würde mir wünschen, dass Menschen Kapitalismus ein bisschen mehr hinterfragen.“

Wir rätseln noch ein bisschen darüber was der Schlüssel sein könnte, wie die Menschen aus ihrem sturen, verblödeten Denken aufwachen könnten und ihnen bewusst wird, dass nicht Geld und Macht das Wichtigste sind. Joel: „Realistisch gesehen muss irgendetwas schlimmes auf der Welt passieren, dass sich etwas ändert… wie immer.“

Ich entgegne, dass wir uns gerade in einer weltweiten Pandemie befinden und wir kommen nüchtern zu dem Punkt, dass, nach einem Jahr Corona, nach einem Jahr, in dem am Anfang der Pandemie die Delfine wieder durch Venedigs Hafen geschwommen und so wenige Flugzeuge wie seit langem geflogen sind, stehen wir nun am selben Punkt und es hat sich im Bezug auf unsere Klimakrise nicht viel verändert. Joel meint: „Corona ist unser Alltag geworden.“ Paul ergänzt: „Da hat man dann [am Anfang] auch kurz gemerkt, wenn sich alle Menschen weiter so verhalten würden, da gab´s dann auch extrem coole umwelttechnische Auswirkungen und alle waren so haben die Menschen jetzt endlich begriffen, dass es so nicht mehr weitergehen kann, wird sich irgendetwas ändern… nein, natürlich NICHT.“ Frustriert stellen wir fest, dass wir uns vor der größten unmittelbaren Gefahr, dem Klimawandel, befinden. „[…] die Menschen sind zu gierig und schauen zu sehr nur auf sich selber. So wird die Menschheit nicht mehr sehr lange überleben. [Wir] werden im Endeffekt den Planeten zerstören, für eine Währung die wir selbst erfunden haben weil wir uns cooler fühlen können, wenn wir mehr Papierscheine besitzen, als irgendjemand anderer.“, sagt Paul.

planet luv streetwear im Achterbahn Magazin für Kunst und Kultur Musik aus Österreich
links: Joel, rechts: Paul

Was bzw. wo ist der Key?

Joel: „Den Schlüssel, den Key, ich hab ihn noch nicht gefunden, ich geb´ es zu. Es wird irgendwie nur immer schlimmer. Die Menschen sind wirklich einfach zu stupid. In technischen Sachen können sie sich gut weiterbilden aber…“

Paul ergänzt: „Aber es fehlt an einem kollektiven Bewusstsein. Es gibt immer nur das individuelle Nachdenken. Es ist nie so ein wie können WIR dafür sorgen, dass wir unseren Planeten nicht zerstören. Ich hoffe, dass ich von etwas anderem überzeugt werde und ich werde selber auch versuchen mein bestes zu geben, so wie der Jo so schön gesagt hat, den Schlüssel zu finden.“

Joel schließt das Thema mit den Worten: „Aber natürlich sind wir die Menschen, die das alles verändern werden, wir tun auch unseren Beitrag und da kommen wir natürlich auch zu unserer Vision: […] Wir glauben an das Gute und deswegen haben wir das Modelabel gegründet, mit dem wir die Welt ein Stück verändern wollen. Wir sehen es als einen guten Anfang.“ Paul fügt lächelnd hinzu: „So können wir Nachts schlafen.“

Auch im Zuge ihres Studiums suchen sie immer wieder nach alltäglichen Dingen und machen sich Gedanken darüber, wie man diese verbessern und umweltfreundlicher machen könnte: „So in 7-8 Jahren darfst du uns noch mal interviewen und dann werden wir schon einiges verändert haben.“ meint Joel – no pressure an sie selbst aber auch an mich haha.

oben: Vio, unten: Wil

Kunst als Ausdrucksform:

Auf meine Frage, ob die beiden immer schon etwas mit Mode machen wollten, bekomme ich nachdenkliche Blicke. Paul wollte früher Erfinder werden und war schon immer in die Grafikdesignrichtung interessiert. Joel sagt:“ Ich glaube ich hatte gar kein so genaues Ziel, ich war viel zu verträumt. […] Ich hätte mir jetzt auch nicht gedacht, dass ich einmal ein Modelabel haben werde aber das ist ja auch das nice am Leben: Es kommt dann doch immer ganz anders als man es sich erwartet hätte. […] Ich finde das mega nice und wichtig neue Sachen kennenzulernen und man sieht dann eh ob es einem taugt oder nicht, das ist schon interessant und sau leiwand!“ Wenn sie sich nicht gerade gemeinsam neue Projekte für Planet Luv überlegen ist Joel Lateinamerikanischer Tanzlehrer und Paul Rapper.

Die Lust etwas in eine kreative Richtung zu machen hat sich bei beiden in den letzten Jahren klar herauskristallisiert. Und bei Planet Luv können sie sich voll und ganz ausleben. Sie überlegen und koordinieren sich alles selber: Wie ihre Designs, ihre Sozialmediaauftritte, ihre Webseite aussehen soll… Was wollen sie mit ihren Slogans erreichen, wo und mit welchen Models kommen ihre Kollektionen am besten zur Geltung etc…

Ich frage die beiden: „Würdet ihr das was ihr macht als Kunst bezeichnen?JA! Joel sagt: „Ich finde es bisschen schwierig, dass wir selber so sagen: Das ist Kunst!“ Paul meint:“ Weißt du, ich würde nicht sagen, dass wir von uns selber als Künstler sprechen können weil viele Menschen sagen das so schnell: Jo, ich bin Künstler. Sondern wir beide versuchen halt so cool wie nur möglich unsere Sachen zu designen. Aber im generellen fällt ja Mode und Ausdruck in den Begriff Kunst.“ Sehr sympathisch! Joel fügt hinzu: „Ich würde es als Kunstform bzw. eine Form sich auszudrücken, gerade auch mit unseren Statements und Designs, bezeichnen.“

Joshua

Zukunft:

Was kann man von euch erwarten, wie geht’s weiter?, frage ich.

Sobald alles wieder öffnet, sind große Dinge geplant. Sie haben vor, sich auch in die Richtung von DIY´s auszuprobieren, ihre Mode zusätzlich im Videoformat darzustellen und Events zu veranstalten. Planet Luv ist aber keinenfalls nur auf Mode beschränkt sondern kann als ganzer Lifestyle betrachtet werden. Eine gemeinsame Bewegung junger Menschen die sich für das Wohl unserer Welt einsetzen und ihre Gedanken auf künstlerische Art und Weise ausdrücken.

Auf Spotify ist ihre Playlist zu finden und auf den geplanten Events werden ihre Kollektionen zu kaufen sein. Darüber hinaus werden Musiker*innen und Rapper*innen auftreten.

Unter anderem trug zum Beispiel der Rapper Middelz, bei einem seiner Konzerte, ein Shirt von Planet Luv. Von der absolut köstlichen Geschichte zu diesem Abend darf ich leider nichts näheres erläutern aber fragt die beiden doch einfach selbst! … Vielleicht habe ich ja dann in 7-8 Jahren die Erlaubnis darüber schreiben zu dürfen:).

rechts: Paul, links: Joel

Zum Abschluss frage ich: „Wenn Corona vorbei ist, in welches Lokal/Restaurant/Bar werdet ihr als erstes gehen?“ Aus meiner Frage entsteht ein regelrechtes Feuerwerk an Antworten!

Joel ruft: „Wir gehen so ins Ebi! Und dann fressen wir uns dort zu Tode!“

Paul antwortet: „Scheiß auf Bars und Fortgehen. Erstmal all-you-can-eat. […]“

Joel: „Das ist ein Sport! So viel zu essen, bis man leidend auf der Couch liegt und sich nicht mehr rühren kann.“

Paul: „Jo, okay, haha und wo werden wir wirklich hingehen, wenn das alles vorbei ist? Na ja, in Cafes und Bars im 7., zum Beispiel in´s Cafe Europa.“

Joel: „…es wird alles so überfüllt sein und eskalieren.“

Paul: „Oder zum Donaukanal….“

Joel: „…Oder ins Loco mal wieder!“

…Man merkt, wir vermissen alle unseren Gasthaus-Konsum in Wien:)

Zu finden ist Planet Luv Streetwear auf Instagram, Spotify und Facebook.

Hier findet ihr ihre Website zum Stöbern und Shoppen: https://planetluv-streetwear.eu/

Anmerkung: Wir waren alle vor unserem Treffen getestet!

Models: Wiliam, Vio, Joshua und Jana

Text: Lee Weichsel