band oehl interview Achterbahn Musik Magazin österreich

Oehl – Im Interview

Interviews sind für mich immer so ein kleines Durcheinander an beinahe schon ermüdenden Fragen, weshalb ich mich eigentlich eher gegen das Führen von Interviews ausspreche. Außer es gibt etwas zu lernen, und das ist bei Oehl mit Sicherheit der Fall.

So habe ich mich mit Ari (Gesang, Gitarre) und Hjörtur (Bass, Gesang) zusammen geplaudert und dieses Interview (natürlich online) geführt.

1) Was kann Oehl, was sonst niemand kann?

Oehl ist eine dynamische Einheit die sich aus verschiedenen Persönlichkeiten zusammensetzt, also im Kern aus Ari, unserem Produzenten Marco Kleebauer und mir, aber auch aus verschiedensten Kollaborateur*innen die in verschiedensten Bereichen beteiligt sind, sei es im Studio, Live oder als Teil unserer Label. Wenn wir zusammenarbeiten Mischen sich unserer Einflüsse, Fähigkeiten und Gedankenansätze und das ist schließlich das was etwas eigenes entstehen lässt. 

Das gilt glaube ich für die meisten Arbeitseinheiten und ist keine Besonderheit, sondern eine logische Entwicklung: Unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Ergebnisse hervor.

Glücklicherweise funktioniert das bei uns einigermaßen gut. Das liegt aber weniger daran dass wir zufällig als Persönlichkeiten gut harmonieren sondern an unserem gemeinsamen Glauben daran dass wenn wir uns bemühen etwas Schönes entstehen kann.

Ob wir was können was sonst niemand kann? 

Wenn wir die Frage auf Kunst beziehen kann ich das also nicht wirklich beurteilen. Was wir aber definitiv können ist bei jedem Konzert eine neue Ginflasche in den Kühlschrank bestellen und keine trinken.


band Oehl im Interview

2) In meinem Freundeskreis werden eure Texte wahnsinnig gelobt, das passiert heutzutage nicht mehr so oft. Oft hörte ich auch schon den Vergleich mit großen Dichtern. Wie wichtig ist euch die Poesie?

Ich denke nicht dass der Ari sich im Prozess des Schreibens zwingt innerhalb von einem bestimmten Rahmen der Poesie zu arbeitet, es kommt einfach das raus was rauskommt. 

Indem Ari aber öfters Material von bereits etablierten Dichter*innen (Goethe, Rilke) einbaut und sich davon inspirieren lässt ist es leicht zu verstehen wieso viele Menschen unsere Texte in Verbindung mit Poesie bringen oder sie als Dichtung bezeichnen. 

Dagegen haben wir natürlich nichts, ist ja ein schönes Kompliment.

3) Leider muss man eine Covid-19 bezogene Frage stellen. Man erkennt ja aktuell den Stellenwert der Kunstbranche ein wenig. Wie seht ihr Kunst? Ein austauschbares Luxusprodukt oder doch eher ein Grundbedürfnis?

Kommt darauf an wen man fragt und von welcher Kunst die Rede ist. Es gibt natürlich Unmengen an Kunst die nur von wenigen Menschen wirklich konsumiert wird. Oder werden kann, denn oft sind da die Voraussetzungen unglaublich hoch was Geld, Bildung und Sozialen Hintergrund betrifft. 

Anderseits kann die Kunst aus den kleinsten Nischen eine große Bedeutung für einzelne Menschen haben, das darf man nicht vergessen.

Von Kunst als Luxusgut zu reden ist aber nicht ganz richtig, meiner Meinung nach. Ich kann mir sehr schwer einen Menschen vorstellen dessen Realität komplett unberührt ist von jeglicher Kunst, auch wen er vielleicht nicht regelmäßig ins Theater oder ins die Oper geht. Ob über TV, Film, Radio oder Design: An der Kunst kommt man nicht vorbei, auch wenn man der nicht bewusst nachgeht. 

Die Kunst wird zwar oft von Kritiker*Innen dem Gesundheitswesen gegenüber gestellt, dabei wird missachtet dass von Seiten der Künstler*Innen nie behauptet wird dass der Gesundheitssektor keine Priorität hat, sondern dass der Kultursektor nicht komplett vernachlässigen darf, denn Kultur gehört auch im Leben dazu.

4) Wie bewahrt ihr Ruhe? Vor allem in einer Zeit wie dieser jetzigen?

Im ersten Lockdown waren wir bereits mit einer großen Ungewissheit konfrontiert, wie lang die Einschränkungen dauern werden oder ob es überhaupt in der bevorstehenden Zeit möglich sein wird Konzerte zu spielen. Der Sommer hat uns doch ein Paar Möglichkeiten beschert unter neuen Bedingungen aufzutreten und mittlerweile wissen wir viel mehr darüber worauf wir uns einstellen müssen, und das hilft auf jeden Fall. Die Lage ist nach wie vor schwierig, keine Frage, aber für Kunstschaffende war die Lage immer schon etwas schwierig. 

Wir arbeiten außerdem fleißig weiter an unserem zweiten Album was uns beschäftigt hält.


oehl im interview mit Achterbahn magazin

5) Vollendet den Satz: Wenn es regnet …

When it rains, it pours. 

Im Englischen gibt es diesen Spruch der sich meiner Meinung nach oft bewahrheitet, das heißt so viel wie negative Vorfälle kommen selten alleine. Wiederum heißt es auch „Every cloud has a silver lining“ was uns einen Grund gibt doch optimistisch zu bleiben, denn auch negative Situationen haben möglicherweise ein positives Potential. Mit dem Thema Optimismus beschäftigen wir uns als Band und Privat auch intensiv zur Zeit.

6) Für mich ist Oehl die Nacht und der Mond. Was kann die Nacht besser als der Tag?

Die Nacht ist einerseits eine Zeit um sich zurück zu ziehen, auszuruhen und alleine sein mit seinen Gedanken und Träumen. Wenn man sich aber anderseits bewusst gegen das Schlafen entscheidet gibt es – normalerweise – die Möglichkeit raus zu gehen, der Vernunft trotzen, zu Tanzen. Die Nacht hat also dieses doppelte Potenzial während der Tag sich fester an Formen hält, Arbeit, Pläne und Struktur.

7) Was ist das beschissenste an der österreichischen Kulturbranche?

Ich empfinde die österreichischen Verhältnisse was Kulturförderung offen gesagt recht gut in vielen Hinsichten, besonders im Vergleich zu vielen anderen Ländern. Trotzdem gibt es massive Missstände. Ein Problem ist die Schubladisierung; ganz offiziell wird teilweise immer noch zwischen Unterhaltungs- und Ernster Musik unterschieden, bereits da findet eine Art sprachliche Abwertung statt, die sich durchzieht. Viele „niedere“ oder „wirtschaftlich uninteressante“ Kulturspalten werden auch vernachlässigt, besonders jetzt in dieser großen Krise. Man siehe die aktuelle Situation um die Klubs in Wien die um ihre Existenz bangen. 



8) Schreibt uns einen Vierzeiler zur aktuellen Situation bzw euren aktuellen Gefühlen zu der jetzigen Situation:

Allmählich zieht die Kälte ein
Wer jetzt alleine wird es lange sein
Wer ohnehin im Studio verweilt 
Hat den Lockdown sowieso verpeilt

9)  Ich habe immer wieder „Lieblingswörter“ bzw. Wörter, die ich wahnsinnig schön finde, wenn ich sie lese oder höre. Meines aktuell ist „Sternenfelder“. Was ist eures? 

Ich freue mich immer wieder wenn ich deutsche Begriffe entdecke die ich in anderen Sprachen bisher noch nie gehört habe, denn sie sagen vielleicht etwas aus über die Sprechenden, denn offenbar werden diese Wörter in der einen Sprache gebraucht und in der anderen nicht. Ein Beispiel dafür ist „Übergangsjahreszeiten“ – so erscheinen einem die Jahreszeiten irgendwie binär, mit dem Sommer auf der einen Seite und dem Winter auf der anderen. Dazwischen hat man halt nur diese halbherzigen Übergangsjahreszeiten, statt vollwertige Saisons.

„Zwangsbeglückung“ ist auch eine wunderbar paradoxe Wortkonstruktion.

10)  Stellt eine Frage über Oehl, die wir beantworten müssen. 

Wir haben im Sommer uns viel mit dem Thema Covern beschäftigt und die „Im Spiegel EP“ herausgebracht wo Künstlerinnen wie Culk, Mira Lu Kovacs uns CHILDREN unsere Songs neu interpretiert haben. Selber haben wir auch im Gegenzug Lieder gecovert, daher die Frage: Welchen Song würdet ihr gerne von Oehl neuinterpretiert hören wollen?

Meine Antwort: Alles auf einmal von Selig

Mehr zu Oehl:
Instagram: @oehlmusic
Facebook: Oehl
YouTube: Oehl

Text:
c. Freude