Die Welt von gestern teil 2 Achterbahn Musk Magazin österreixh

Meine Lieblingssätze aus …

… “Die Welt von Gestern” von Stefan Zweig (2/3)


Wie schon in Teil 1 dieser Reihe erklärt, teile ich hier die mir am spannendsten wirkenden Sätze aus “Die Welt von Gestern”.

1) Unwissentlich in den Tot

„Weihnachten sind wir wieder zu Hause“, riefen im August 1914 die Rekruten lachend den Müttern zu.“

Die Welt von Gestern – S. 259

2) Wieso auch glauben?

„Kein einziger der Generation von 1939 glaubte mehr an eine von Gott gewollte Gerechtigkeit des Krieges, und schlimmer: Man glaubte nicht einmal mehr an die Gerechtigkeit und Dauerhaftigkeit des Friedens, den er erkämpfen sollte.“

Die Welt von Gestern – S. 260

3) Schönheit der Neutralität.

„Nie aber hatte ich den Sinn seines Daseins so sehr empfunden: die schweizerische Idee des Beisammenseins der Nationen im selben Raume ohne Feindlichkeit, diese weiseste Maxime durch wechselseitige Achtung und eine ehrlich durchlebte Demokratie sprachliche und volkreiche Unterschiede zur Brüderlichkeit zu erheben – welch ein Beispiel dies für unser ganzes verwirrtes Europa! Refugium aller Verfolgten, seit Jahrhunderten Heimatstaat des Friedens und der Freiheit, gastlich jeder Gesinnung bei treuester Bewahrung seiner besonderen Eigenart – wie wichtig erwies sich die Existenz dieses einzig übernationalen Staates für unsere Welt! Zu Recht schien mir dies Land mit Schönheit gesegnet, mit Reichtum bedacht. Nein, hier war man nicht fremd; ein freier, unabhängiger Mensch fühlte sich in dieser tragischen Weltstunde hier mehr zu Hause als in seinem eigenen Vaterland.“

Die Welt von Gestern – S. 300

4) Zweig über die Nachkriegszeit nach dem ersten Weltkrieg.

„Was uns vordem wichtig gewesen, wurde noch wichtiger; nie haben wir in Österreich mehr die Kunst geliebt als in jenen Jahren des Chaos, weil wir am Verrat des Geldes fühlten, dass nur das Ewige in uns das wirklich Beständige war.“

Die Welt von Gestern – S. 337

5) Über die letzten Tage von Sigmund Freud.

„ (…) lieber leiden und wachsam bleiben, lieber unter Qualen denken als nicht denken, (…)“ 

„Es war ein furchtbarer Kampf und immer großartiger, je länger er dauerte. Von einem zum anderen Male warf der Tod seinen Schatten deutlicher über sein Antlitz. Er höhlte die Wangen, er meißelte die Schläfen aus der Stirn, er zerrte den Mund ihm schief, er hemmte die Lippe im Wort, (…)

Die Welt von Gestern – S. 478

6) Worte zum Abschluss.

„Aber jeder Schatten ist im letzten doch auch Kind des Lichts, und nur wer Helles und Dunkles, Krieg und Frieden, Aufstieg und Niedergang erfahren, nur der hat wahrhaft gelebt.“

Die Welt von Gestern – S. 493