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Kerosin95 – Im Portrait

Mit einem Holler-G’spritzt über das neue Album „Volume 1“. 

Gleich im Intro des neuen Albums von Kerosin95 werden einige „Hate-Kommentare“ vorgelesen. Unter anderem auch gleich der einleitende Satz zum Pressetext von Kerosin: „Die Beats sind ganz geil, aber Kerosin versaut es für mich.“ Ableitend aus diesem Intro war gleich die erste Frage, wie denn mit Hate und Widerspruch zurechtkommt. 

In der musikmachende Person stößt man bekanntlich öfters auf Widerspruch, den Umgang damit beschreibt Kerosin jedoch als tagesabhängig. Manchmal macht es traurig und manchmal erheitert es auch wahnsinnig. 

„Ich muss jetzt nicht damit umgehen können, wenn ich nicht will. Und wenn ich Lust habe, dann nehme ich mir eine Zeile von en YouTube-Commis (…) dann mach ich irgendeinen Text daraus oder tu es irgendwo rein.“ 

Wie sieht Kersoin95 die aktuelle Situation im Deutsch-Rap? 

Die erste Single „Außen hart, innen flauschig“ wurde 2019 released. Eine Zeile beschreibt mMn Kerosin wahnsinnig gut: „Was kann dein Bling-Bling, wenn die Texte glitzern.“

Ich persönlich habe immer schon ein kleines Problem mit Deutsch-Rap gehabt, vor allem die Texte und die Protzerei gefallen mir großteils nicht, bei Kerosin95 ist das jedoch anders. Sieht Kerosin selbst eine Veränderung im Deutsch-Rap? Geht es auch ohne „Bling-Bling“? 

Als Kerosin diese Zeile schrieb existierte ein gewisses Bild gegenüber Deutschrap, dies hat sich aber laut Kerosin mittlerweile geändert. 

„ (…) ich will mich gar nicht mehr anmaßen irgendwie so diese Antithese zu irgendwas zu sein, zu dem ich nicht einmal Zugang habe.“  

Bewusst wird hier beschrieben, dass Rapper*innen wie bsp. Haftbefehl etc. (auch trotz der teilweise sehr fragwürdigen und problematischen Texte) trotzdem einen wichtigen Beitrag für gewisse Communities bieten.  

Als Person am Schlagzeug von „My Ugly Clementine“ oder „Mira Lu Kovacs“ hat Kersoin95 nicht nur wahnsinnig viel musikalische und live Erfahrung, sondern anscheinend auch einen kleinen Fabel für Beats und Rhythmik. Seit 20 Jahren spielt Kerosin95 nun Schlagzeug, seit 2019 öffentlich auch eben Rap-Musik. Was können Beats / was kann Rhythmik, dass es so faszinierend ist? 

Alles. 

Zum Album: 

KEROSIN95 ist Figur, Projekt und Performance.

Kerosins Welt wirkt wie ein Spielplatz an Möglichkeiten. Ein Platz, an dem jede Geschichte ihre Bühne bekommt und jedem Gefühl Ausdruck verliehen wird. Angst, Softness, Härte, Spaß alles wird teils ernsthaft, teils verspielt in Texte verpackt. Kerosin dreht sich um Themen wie die Beziehung zu sich selbst, die Welt in ihrer Schwere und der Umgang damit. Es stehen Kontra und Kritik am Programm – und Kerosin mit einem breiten Grinsen auf der Bühne. Versucht wird Räume zu schaffen, in denen Auseinandersetzung stattfinden kann.

Neben kleinen Oden ans Queersein und energiegeladenen Beats werden auch zerbrechliche, sehr persönliche Songs präsentiert. Leichtigkeit und Gebrochenheit tragen die Zuhörenden abwechselnd in Höhen und Tiefen und erlauben es, sich schnell auch selbst in den Songs wieder zu finden. Eine ungewohnte Ehrlichkeit öffnet den Blick für Wesentliches, ohne dabei auf den Spaß zu vergessen.

Kerosin95 Achterbahn Magazin

Diese Bipolarität von immensem Selbstbewusstsein und kompletter Zerbrechlichkeit zieht sich durch das gesamte Debütalbum von Kerosin. Nicht umsonst startet „Volume 1“ (VÖ: 19.03.2021 via Ink Music) mit HEEEY, das einen willkommen heißt in Kerosins Welt und damit schon das gesamte Album widerspiegelt.

So vielseitig wie die Figur selbst ist auch die musikalische Umsetzung des Projektes. Ein Pop Album, das in verschiedene Richtungen spielt. Je nach Track werden mehrere Genres in Szene gesetzt, sodass jede Botschaft ihren eigenen klanglichen Raum bekommt. Rap trifft auf 90er – Jahre Deutsch Pop und Trap Beats, Boom Bap Hip Hop auf Indie Gitarren. Ein buntes Potpourri an Möglichkeiten.

Der Facettenreichtum der Songs ist auch auf den Kreativprozess des Albums zurück zu führen. Detailliert und liebevoll umgesetzt wird Kerosin von unterschiedlichsten Produzent*innen begleitet. Kompositorisch hat hier die Creme de la Creme mitgemischt: Marco Kleebauer (als Musiker ua. Leyya, Sharktank und Produzent von u.a. Bilderbuch, Faber), Manu Mayr (5K HD, Kompost3), Maximilian Walch (Produzent von u.a. Bilderbuch, Left Boy/Ferdinand, Lou Asril) sowie die Grande Dame des Songwritings Mira Lu Kovacs (Mira Lu Kovacs/ehem. Schmieds Puls, 5K HD). Ein Album voller Lieblingssongs, das von Anfang bis Ende spannend bleibt. Plus – good news:

Volume „1“ bedeutet, dass dies erst der Anfang ist…