JANSKY Band lp 1 track by track

JANSKY – LP1: Track by Track

Wie entsteht eigentlich ein ganzes Album?

Vergangene Woche haben wir das Debüt-Album der Geschwisterband JANSKY vorgestellt. Mehr dazu findet ihr natürlich hier.

Was uns aber wahnsinnig interessiert hat: Wie entsteht denn so ein Album? Woher kommt die Inspiration?

Wir haben JANSKY gebeten ihre Gedanken zu den einzelnen Songs mit uns zu teilen. Aber nein, wir haben keinen Bock auf ein klassisches Track-by-Track-Dings. Wir lassen JANSKY selbst berichten.

Während ich das Album gehört habe dachte ich mir schlicht: Dieses Album klingt so, wie Spätsommer riecht. Nach auf dem Boden vergessenen Äpfeln, die eine leichte Fäule entwickelt haben, aber so wundervoll süß riechen.

Für mich war die Entstehungsgeschichte der einzelnen Songs daher wahnsinnig faszinierend, genauso habe ich mir die Entstehung auch vorgestellt. Man hört und fühlt die organische Individualität von JANSKY.


1. zeilen

zeilen” ist entstanden, als ich an einem Abend im Kaffee auf eine Person gewartet habe. Ich kannte ihren Namen nicht und habe auch ihre Nummer nicht erfragt. Eigentlich wusste ich gar nicht, ob sie kommen würde.

Die Klangwolke, die sich durch das Stück zieht, sind Töne vom Klavier, die durch eine Bandmaschine geschickt wurden, und wenn man das Signal zurückschleift, entsteht durch die Distanz zwischen Schreib- und Lesekopf ein Echo.

2. venedig

Die erste Strophe von “venedig” ist schon 2015 nachts im Bahnhof von Venedig entstanden. Wenn man mit dem Nachtzug nach Italien fährt, bleibt man unweigerlich mehrere Stunden auf diesem Bahnhof. Man ist verschwitzt und versucht im Sitzen neben lauter fremden Leuten zu schlafen.

Das war der erste Song, den wir für’s Album aufgenommen haben. Das rhythmische Knarren ist das Sample vom Klavierkasten.

3. haut

Den Refrain von “haut” habe ich für einen guten Freund geschrieben, der damals in einer unglücklichen Beziehung war. Die Strophen sind eine Ode auf’s “Alleinsein”.

4. fäden

Als wir für “buch” das Video gedreht haben, haben wir einen Kontrabass von der Pfarre im Nachbarort ausgeborgt. Auf dem ist dann das Bassriff zu “fäden” entstanden. In einem ersten Versuch dieses Instrument überhaupt zu spielen. Textlich geht es in dem Lied ums Rauchen. Muss wohl 2018 entstanden sein.

Der Einsatz der Percussion in der zweiten Strophe ist stark von den einstürzenden Neubauten abgeschaut. Ich glaube das war der Deckel von einer Zuckerdose.

5. tür

Der Song “tür” ist in einer der ersten Nächte in meiner Wohnung in Wien entstanden. Frisch eingezogen, eine Matratze am Boden und den Kühlschrank als Tisch.

Hätte eigentlich eine Kurzgeschichte werden sollen über eine Frau, die dem zyklischen Lauf der Tage entrinnen möchte.

6. schwalben

schwalben” begann mit der Bass-Synth-Sequenz auf dem “Kork Volca Keyes” und einer Improvisation am Klavier. Mehr war auch nie notwendig.

7. bäche

bäche” ist an sich die älteste Nummer. Ursprünglich 2017 so als “Folk-Punk”-Nummer für meine alte Band “Niemandsland” geschrieben. Und so durchwuchs sie verschiedene Stationen. Aber der Text über eine surreale Begegnung in einer Hütte während draußen ein Sturm tobt hat uns bis heute irgendwie gefallen.

8. buch

buch” beschreibt das Gefühl, wenn man mit seinem Umfeld nicht mehr mitkommt. Man zweifelt die Gespräche an, man zweifelt sich selbst an. Alles was einen noch glücklich machen kann ist darüber zu schreiben.

Die Klangimprovisation in der Mitte des Liedes hätte im Nachhinein ruhig länger sein können. Das werden wir bei unserer Live-Umsetzung machen.

9. wunsch

Das Motiv von “Zeilen” wird hier im Song “wunsch” weitergeführt. Das wundervolle Saxophon hat “Phillipp Steinkellner” eingespielt. Ein guter Freund und Studienkollege von mir.

Der Drumbeat, was ein glückliches Zufall, als das “Tom-Pattern” einer Idee mit dem “Bass-Drum-Pattern” einer Anderen sich fabelhaft ergänzt hat. Eben “Tom” und “Snare” haben wir Live im Wohnzimmer unserer Eltern eingespielt, weil da gerade die Mikrophone am Klavier aufgebaut waren. Und die Bass-Drum ist ein Sample, das ich auf einer gebrauchten “AKAI MPC 500” gefunden habe.

10. schloss

schloss” ist auch ein Lied, das noch von meiner alten Band stammt. Eine geschwinde Demoaufnahme, die ich mit dem Handy im Garten aufgenommen habe hat mir so sehr gefallen, dass ich dieses Projekt überhaupt gestartet habe.

Die Orgel, die später einsetzt, ist die wunderbare “Bontempi-Kinderorgel“, die wir um € 10,- gefunden haben.

11. outro

Der Song “outro” beschreibt den sich zu Ende neigenden Winter und greift am Schluss wieder das Mantra von “venedig” auf. Die Wellen spielen doch nur für uns.

Es geht um einen Bach in der Steiermark, in dem Anna und ich als Kinder immer gespielt haben. Die Streicher in der zweiten Hälfte des Stückes sind wieder durch die Bandmaschine gelaufen, und wenn man die Räder ganz leicht festhält, entstehen traumhaft nostalgisch klingende Tonhöhenschwankungen.

Text:

c. Freude