Mundart österreichische musik branche

Frauen und Mundart

Ein Kommentar zur österreichischen Musikbranche von Annemie Reisinger-Treiber.

Ich liebe Musik. Ich liebe meinen Job. Ich liebe alle meine KünstlerInnen mit denen ich arbeiten darf. Was ich nicht liebe an meinen Job sind die gefühlten Felsbrocken die einem als Frau in dieser Branche oft in den Weg gelegt werden. Egal ob man KünstlerInnen vertritt oder man eine Künstlerin ist. Ich habe mir sehr lange überlegt was zu dem Thema „Frauen in der Musikbranche“ zu sagen, die letzten Wochen hat es ziemlich in mir gebrodelt und gestern Abend ist dann das Fass einfach übergelaufen. Bei der Licht Ins Dunkel Gala die gestern Abend auf ORF2 ausgestrahlt wurde, gab es insgesamt 6 Live Acts, 5 davon waren männlich, 1 Interpretin weiblich.  Alle männlichen Interpreten bis auf DJ Ötzi hatten 2 Live-Auftritte, Ina Regen ist nur mir einem Lied aufgetreten.  


Es sind viele Dinge die mich stören, die man ansprechen muss. Und ich starte jetzt mit dem ersten Thema: „Frauen die in Mundart“ singen. In den österreichischen Jahres Airplay Charts 2019 sind genau 0 Frauen oder Formationen mit Frauen zu finden die in Mundart singen und die man dem Genre „Austro-Pop“ zuordnen könnte. Von den männlichen Kollegen findet man hingegen 6. Woran liegt das? Man könnte behaupten es gibt zu wenig Frauen in dem Genre. Okay, aber was ist zum Beispiel mit Ina Regen, Sabien Stieger oder Birgit Denk? 

Mehrfach habe ich von Künstlerinnen erzählt bekommen was denn Argumente von Radios sind oder was Branchenkollegen so meinen, und die Aussage die mich sprachlos zurück lässt ist „Wenn Frauen im Dialekt singen, dann klingt das einfach viel zu derb“.
Acha, interessant – und wenn Männer das tun dann will man das hören oder wie jetzt? Ich finde diese Aussage ist nicht nur eine Beleidigung für jede Dialekt-Interpretin, sondern auch für jede Frau die in Österreich lebt und Dialekt spricht.


Unlängst wurde auch 5o Jahre Austro-Pop gefeiert – man hat eine schöne TV Kampagne für eine CD gemacht und auch in dieser Werbung kam mit Marianne Mendt nur eine einzige Frau vor, der Rest waren Männer. Auf der CD selbst findet man dann schon noch ein paar mehr, aber die männliche Dominanz ist erdrückend. http://austro-pop.at/ 

Aber was sagt das eigentlich über die Wahrnehmung von weiblichen Künstlern im Austro-Pop aus? Ist es ein „gelerntes“ Phänomen, dass wir seit 50 Jahren nicht abschütteln können, dass Austro-Pop hauptsächlich männlich ist? Sind es die Entscheidungsträger die eben davon geprägt sind und deshalb weibliche Austro-Pop Sängerinnen die im Dialekt singen einfach nicht zulassen weil sie glauben dass das eben nicht zu Frauen passt? Ich weiß die Antwort darauf leider nicht, aber ich werde weiter Aufmerksam machen und weiter laut sein. 


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