ein Lesetipp für Herrn fluch

Ein Lesetipp für Herrn Fluch.

Juhuuu, am Montag war Weltfrauentag. Die Stories platzten aus allen Nähten mit empowernden Quotes „The future is female“, viele Frauen* wurden mit Blumen überschüttet rein nach dem Motto: „Toll, du bist eine Frau. 364 Tage verdienst du weniger, wirst benachteiligt oder unterdrückt. Aber diese Blume lenkt dich vielleicht von den patriarchalen Strukturen unserer Gesellschaft ab. Bussi an dich.“ Heute ist aber Donnerstag. Heute grüßt uns die Realität mit einem griesgrämigen Lächeln zurück ins Leben.

Fassungslosigkeit beschreibt wohl am besten das Gefühl, dass viele Menschen beim Lesen des Standards Artikel über Kerosin95 verspürten. Auf Instagram wurde eine weitreichende Empörung laut, es wurde unter anderem die Löschung des Artikels gefordert. Kerosin95, wurde durch den Journalisten, Karl Fluch, mit seichten und passiv aggressiv wirkenden Fragen, in eine Ecke von Rechtfertigung über die eigene Identität und den Ausdruck derer, getrieben. “Das ist verinnerlichte Arroganz” wurde das fragwürdige Gespräch betitelt, indem Herr Fluch mit Aussagen wie „Studien besagen, dass 0,5 Prozent der Bevölkerung transgender sind. Sollen diese 0,5 die Sprache von 99,5 Prozent verändern?“ die angenehme Smalltalk- Stimmung von vornherein zum Kochen brachte.

Die Problematik dahinter ist ganz einfach: Eine Person, wie Kerosin95, welche ausdrücklich im Vorfeld der Promotion zu der gleichnamigen Platte, alle Journalist*innen aufforderte, eine genderneutrale Sprache zu nutzen, wird mit transphoben Fragen als eine „Ausnahme“ am Rand der Gesellschaft dargestellt. Es zeigt wieder einmal, Sprache hat Macht. Eine Macht, welcher viele sich einfach nicht bewusst sind.

Kübra Gümüşay, ist Autorin des Buches: „Sprache und Sein.“ Sie beschreibt darin, wie wichtig es ist, den Sprachgebrauch zu ändern und was das für die betroffenen Personen bedeuten kann: „Menschen so zu bezeichnen, wie sie bezeichnet werden wollen, ist keine Frage von Höflichkeit, auch kein Symbol politischer Korrektheit oder einer progressiven Haltung – es ist einfach eine Frage des menschlichen Anstands.“ Passt wohl zum Thema. Gerne würden wir euch dieses Buch ans Herz legen. Nicht weil wir euch belehren wollen, sondern weil wir alle unsere Hausaufgaben machen müssen. Es gibt viele Menschen, die in unserer Gesellschaft noch immer nicht richtig sichtbar sind. Die richtige und respektvolle Sprache würde uns allen die Möglichkeiten geben, die Menschen als solche anzuerkennen und deren Identität wertzuschätzen.

Sicher gibt es Dinge, die wir alle lernen müssen, die Zeit brauchen, um verstanden zu werden. Es gibt aber auch Dinge und Handlungen, vor allem Sprache, die in uns allen etwas auslöst. „Sprache in all ihren Facetten – ihr Lexikon, ihre Wortarten, ihre Zeitformen – ist für Menschen wie Wasser für Fische. Der Stoff unseres Denks und Lebens, der uns formt und prägt, ohne dass wir uns in seiner Gänze bewusst wären.“, schreibt Kübra Gümüşay in ihrem Buch. Unser Sprachgebrauch ist so selbstverständlich geworden, dass wir immer wieder vergessen, wie wichtig der sorgsame Umgang mit Worten ist. Die Worte die tagtäglich unseren Mund verlassen, haben nun mal Macht. Es geht nicht um unsere eigenen Befindlichkeiten, ob gendern oder genderneutrale Sprache nun nervig im Lesefluss ist. THATS NOT THE POINT. Wie sollen wir die Realität des Gegenübers akzeptieren, wenn wir diese nicht einmal richtig benennen wollen?

Hier noch einige hilfreiche Instagram Accounts zum Thema:

@erklaermirmal

@florencegiven

@impact

@mattxiv

Text: CHRISTL