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CIVA Festival: Medienkunst für alle, überall

Jetzt haben wir bald ein Jahr Pandemie und man kann sich kaum mehr erinnern, wie es sich anfühlt, gemeinsam mit anderen eine Tanzfläche voll zu schwitzen, an der Kloschlange flüchtige Freundschaften zu schließen und im Kinosaal die Zeit zu vergessen. Schmerzlich mussten wir lernen, dass ein Stream aus der Event-Venue einfach nicht das selbe ist – anders heißt nicht unbedingt schlechter, allerdings braucht es dafür kluge Lösungen.

Anstatt Trübsal zu blasen, hat sich das Team vom CIVA Festival überlegt, wie man die Sache proaktiv angehen kann. Von 19. bis 27. Februar findet Wiens neuestes Medienkunstfestival CIVAContemporary Immersive Virtual Art – in seiner ersten Ausgabe komplett online statt. Das breite Programm an Ausstellungen, Performances, Workshops, Panel-Talks bis hin zu Film-Screenings und Konzerten sollte die blutenden Herzen sämtlicher Kulturliebhaber*innen höherschlagen lassen.

Im Zentrum steht dabei die Frage, wie man auch hinter den Bildschirmen das Gefühl von sozialer Nähe schaffen kann. Das Potenzial künstlerischer Zugänge, verbunden mit digitalen Technologien und Wissenschaft, könnte die Antwort bringen. Unter dem Motto »Social Distancing – Virtual Bonding« soll vor allem jener Teil der Festivalkultur Beachtung finden, denn wir alle irgendwie doch am meisten vermissen: das soziale Rundherum. Es ist ein Experiment, ein Versuch, uns die soziale Nähe zurückzugeben, die uns die Technik vermeintlich genommen hat.

CIVA ist zu gleichen Teilen Festival dieser Künstler*innen und Festival für eine Gesellschaft, die Interesse und Lust daran hat, mitzudenken und mitzugestalten. Denn besonders im letzten Jahr haben uns das Digitale und das Virtuelle auf vielen Ebenen dabei geholfen, miteinander verbunden zu bleiben. Rund um CIVA ist so beispielsweise ein wunderbares Kollektiv entstanden, das es geschafft hat, innerhalb von nur vier Monaten ein Festival zu realisieren, obwohl sich einige Leute des Teams noch nie im Physischen gesehen haben.«

Eva Fischer, Festivalleitung

Gleichwohl des positiven Zugangs zur Technik zieht sich durch das gesamte Programm ein kritischer Blick auf die Digitalisierung. Die Gruppenausstellung »Expanded Realities and Networked Voices.« hinterfragt die Beziehung von Gesellschaft und Neuen Medien.
Medienkunst, die ohnehin selten Einzug in die Hallen der großen Kunstmuseen findet, macht sich nun ihren Ursprung zum Vorteil. Anders als viele digitalisierte Ausstellungshallen wirken die Kunstwerke auch virtuell authentisch. Besuchen kann man die Ausstellung während des Festivals sowohl individuell als auch im Rahmen von Führungen.

Gespannt darf man auch auf die Live-Programme sein, nicht nur aufgrund der ausgewählten Acts, sondern auch der Rahmenbedingungen. CIVA hat sich zum Ziel gesetzt, neue Formate zu erproben, die das Publikum näher an die virtuelle Bühne bringen sollen. Mit Tools wie der virtuellen Welt Mozilla Hubs können sich die Zuhörer*innen mittels Avataren im Raum bewegen und interagieren. Unter den Versuchskaninchen auf den Bühnen tummeln sich keine Geringeren als KEKE, Lou Asril oder Mira Lu Kovacs.

Wer will, kann aus der beobachtenden Rolle ausbrechen und sich mit anderen Teilnehmerinnen verbinden. Das läuft dann über die in Gamerinnenkreisen bekannte Plattform Discord. Dort kann man Leute kennenlernen und über das Festival hinweg gemeinsam diskutieren, Wein trinken und im Idealfall feiern und tanzen. Mitmachen kann jede*r, das Festival ist gratis und einfach zugänglich. Genutzt werden Plattformen, die viele schon kennen und/oder ohne großen Aufwand genutzt werden können.

Geht der Plan auf? Wir sind gespannt!

www.civa.at
CIVA 2021
“Social Distancing – Virtual Bonding”

19. bis 27. Februar 2021

Text: Anna Grubauer